Case Studies
Strategie Turnaround

Doppelt getroffen – wenn Fremdwährungsdarlehen und Importkosten gleichzeitig eskalieren

Standort: Indien · Jahr: 2026
Grafische Darstellung einer indischen Tochtergesellschaft, die gleichzeitig von zwei Wechselkursrisiken unter Druck gerät: sinkende Rupie auf der linken Seite und steigender Euro-Schuldendienst auf der rechten Seite – symbolisiert durch zwei entgegengesetzte Pfeile auf dunkelblauem Hintergrund.

Wie europäische Unternehmen in Indien Ergebnis und Liquidität stabilisieren, wenn Finanzierung und Einkauf gleichzeitig unter Wechselkursdruck geraten

Teil 3 unserer Case Study-Reihe: Wechselkursrisiko – ein unterschätztes Problem in indischen Tochterunternehmen.

Kurzfassung

Wenn eine indische Tochtergesellschaft gleichzeitig über ein Fremdwährungsdarlehen und über importabhängige Einkaufskosten dem Wechselkursrisiko ausgesetzt ist, kann eine starke Rupienschwäche Ergebnis und Liquidität innerhalb kurzer Zeit massiv belasten:

So war es auch im Fall unserer Kunding: Eine indische Tochtergesellschaft war zugleich über ein konzerninternes Darlehen in Euro bzw. US-Dollar und über importlastige Einkaufskosten stark exponiert. Im Jahr 2025 mit deutlicher Rupienschwäche kippte das Ergebnis schnell von profitabel zu stark verlustbringend. Gleichzeitig nahmen der Druck auf die Liquidität und die operativen Folgerisiken deutlich zu – bis hin zu Investitions- und Einstellungsstopps.

Die Stabilisierung gelang erst mit einem priorisierten Maßnahmenpaket, das gemeinsam mit WB entwickelt wurde. Im ersten Schritt ging es darum, Zahlungsfähigkeit zu sichern und Transparenz zu schaffen. Danach wurden Finanzierungsstruktur und Preismechanik angepasst. Langfristig sollte die Abhängigkeit vom Wechselkurs durch Lokalisierung reduziert werden.

Ausgangssituation: Fremdwährungsfinanzierung trifft auf importabhängiges Geschäftsmodell

Die Ausgangslage war durch zwei gleichzeitige Wechselkursrisiken geprägt, die sich gegenseitig verstärkten:

Der Kipppunkt: Wenn mehrere Schwellen gleichzeitig erreicht werden

Das eigentliche Risiko liegt nicht in einer einzelnen Wechselkursbewegung, sondern im gleichzeitigen Überschreiten mehrerer Belastungsgrenzen:

Diagnose: Wie die Risikokaskade sichtbar gemacht wurde

Bevor Gegenmaßnahmen greifen konnten, wurde gemeinsam mit WB die Abfolge der Wechselkurswirkungen entlang von Liquidität, Ergebnis und operativem Geschäft transparent gemacht:

Lösungsansatz: Priorisierung nach Zeitachse statt paralleler Einzelmaßnahmen

Auf Basis dieser Analyse wurde gemeinsam mit WB ein Maßnahmenpaket entwickelt, das nach zeitlicher Dringlichkeit priorisiert wurde:

Umsetzung: Was in den einzelnen Phasen konkret eingeführt wurde

Die Maßnahmen wurden in drei aufeinander aufbauenden Phasen umgesetzt, um kurzfristige Stabilisierung und mittelfristige Strukturverbesserung miteinander zu verbinden:

Phase 1: Stabilisierung in den ersten 12 Wochen

Im ersten Schritt stand die kurzfristige Sicherung der Zahlungsfähigkeit im Vordergrund:

Phase 2: Struktur entschärfen in 3 bis 9 Monaten

Im zweiten Schritt wurden die zentralen wirtschaftlichen Hebel in Finanzierung, Vertrieb und Kurssicherung bearbeitet:

Phase 3: Lokalisierung in 12 bis 36 Monaten

Parallel zur Stabilisierung wurde die strukturelle Reduzierung der Wechselkursabhängigkeit vorbereitet:

Herausforderungen in der Umsetzung: Notmaßnahmen helfen sofort, verschieben aber oft das Problem

In der Umsetzung wurde deutlich, dass kurzfristige Entlastung und langfristige Stabilisierung nicht automatisch in dieselbe Richtung wirken:

Ergebnisse: Weniger Extremrisiko, verlässlichere Steuerung, klarere Verantwortung

Die Kombination aus Liquiditätssicherung, Strukturmaßnahmen und ersten Schritten zur Lokalisierung reduzierte die Anfälligkeit des Geschäftsmodells spürbar:

Erkenntnisse und Fazit: Doppelte Wechselkursrisiken kippen nicht langsam, sondern plötzlich

Der Fall zeigt, wie gefährlich es ist, Fremdwährungsfinanzierung und Importabhängigkeit als getrennte Themen zu behandeln:

Ihr nächster Schritt: In 30 Tagen aus der Reaktivität heraus

Der schnellste Hebel ist nicht Perfektion, sondern eine Mindeststruktur für Steuerung und Eskalation:

Wenn Sie sowohl ein Fremdwährungsdarlehen als auch einen hohen Importanteil haben, identifizieren Sie Ihre zwei größten Wechselkursrisiken und schaffen Sie innerhalb von 30 Tagen eine Mindeststruktur aus Auslösern, Obergrenzen und Berichtswesen. Das ist der schnellste Weg, um aus der reinen Reaktivität herauszukommen.

Wenn es schnell gehen muss – wir sind da

Doppelte Wechselkursexponierung lässt wenig Zeit für lange Analyseprozesse. Genau in solchen Situationen unterstützen wir Unternehmen vor Ort und auf Konzernebene.

Wir haben Krisenmanagement- und Umstrukturierungsprojekte in Indien begleitet, in denen innerhalb weniger Wochen Zahlungsfähigkeit gesichert, Finanzierungsstrukturen neu verhandelt und operative Notmaßnahmen koordiniert wurden.

Gleichzeitig denken wir über die Krise hinaus: Lokalisierungsstrategie, Lieferantenqualifizierung und die Neuaufstellung der Steuerungsstruktur zwischen Muttergesellschaft und Indien-Team gehören ebenso dazu.

Schildern Sie uns Ihre Situation – vertraulich und unverbindlich.