POSH-Gesetz Indien: Welche Pflichten Sie als deutscher Arbeitgeber jetzt kennen und umsetzen müssen
Mehr als 10 Mitarbeitende in Indien?
Dann müssen Sie nach POSH-Gesetz und SHe-Box tätig werden.
Hintergrund
Sie haben mehr als 10 Mitarbeitende in Indien? Dann müssen Sie bestimmte Maßnahmen zum Schutz von Frauen am Arbeitsplatz vornehmen, denn dieser Schutz ist auch in Indien gesetzlich vorgeschrieben.
Das POSH-Gesetz (Prevention of Sexual Harassment Act, 2013) und das Online-Beschwerdetool SHe-Box (Sexual Harassment electronic Box) verpflichten Sie als Unternehmen, ein sicheres und respektvolles Arbeitsumfeld für Frauen zu schaffen – und machen Sie persönlich verantwortlich für die Einhaltung dieser Vorschriften.
In unserer täglichen Praxis erleben wir jedoch immer wieder, dass z. B. indische Unternehmenstöchter wachsen, plötzlich die Schwelle von 10 Mitarbeitenden überschreiten und diese gesetzliche Vorgabe nicht im Blick haben. Deshalb hier ein kurzer Überblick:
Ihre Pflichten als Arbeitgeber
Jeder Arbeitgeber (mit mehr als 10 Mitarbeitenden) muss:
- Ein internes Beschwerdekomitee einrichten (ICC)
- In jedem Standort/Betrieb mit mehr als 10 Beschäftigten
- Richtlinien und Maßnahmen schriftlich festlegen
- z. B. Anti-Belästigungsrichtlinie
- Mitarbeitende schulen und sensibilisieren
- regelmäßige Schulungen, Workshops, Aushänge etc.
- Vertraulichkeit bei Beschwerden gewährleisten
- Beschwerden fristgerecht prüfen
- max. 90 Tage
Internal Complaints Committee (ICC)
Das ICC ist für die Bearbeitung von Beschwerden zuständig.
1. Zusammensetzung (mindestens 4 Mitglieder)
- Vorsitzende: Frau in leitender Position
- Zwei Mitarbeitende mit sozialem Engagement
- Externe/r Experte/in: z. B. Jurist/in, NGO-Mitglied
- Mindestens 50 % Frauenanteil
2. Ablauf eines Beschwerdeverfahrens
a. Beschwerde einreichen (schriftlich): innerhalb von 3 Monaten nach dem Vorfall
b. Untersuchung durch das ICC: Anhörungen, Beweissammlung, Zeugenaussagen
c. Bericht & Empfehlung an Arbeitgeber: innerhalb von 90 Tagen
d. Arbeitgeber muss handeln: innerhalb von 60 Tagen (Disziplinarmaßnahmen, Entschädigung, Versetzung etc.)
3. Strafen bei Nichteinhaltung
- Geldstrafen bis 50.000 INR (~600 €)
- Wiederholte Verstöße: doppelte Strafe, Entzug von Lizenzen/Zulassungen
POSH-Gesetz (2013)
The Sexual Harassment of Women at Workplace (Prevention, Prohibition and Redressal) Act, 2013
Ziel des Gesetzes
- sexuelle Belästigung von Frauen am Arbeitsplatz vorzubeugen,
- sie zu verhindern, und
- eine klare und faire Beschwerde- und Wiedergutmachungsstruktur zu schaffen.
1. Hintergrund und Entstehung
Das POSH-Gesetz basiert auf dem berühmten Vishaka-Urteil des Obersten Gerichtshofs Indiens (1997). Darin erkannte das Gericht an, dass sexuelle Belästigung eine Verletzung der Grundrechte von Frauen darstellt (Art. 14, 15 und 21 der indischen Verfassung).
Bis 2013 gab es kein spezifisches Gesetz zum Schutz von Frauen in diesem Bereich – das änderte sich mit dem POSH-Gesetz.
Männer sind im Gesetzestext nicht ausdrücklich als potenzielle Betroffene aufgeführt, was vielfach kritisiert wird.
2. Geltungsbereich
- Gilt für alle Arbeitsplätze in Indien – sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor
- Gilt auch für Nicht-Angestellte: Praktikantinnen, Freelancerinnen, Studentinnen, Tagelöhnerinnen usw.
- Gilt auch für Kundinnen, Besucherinnen oder Dienstleisterinnen
SHe-Box – Was ist das?
Die SHe-Box (Sexual Harassment Electronic Box) ist ein Online-Portal der indischen Regierung, eingerichtet zur einfachen, schnellen und transparenten Erfassung und Bearbeitung von Beschwerden über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.
1. Ziel der SHe-Box
- Frauen eine zentrale Plattform zur Einreichung von Beschwerden geben
- Beschwerden automatisch an die zuständigen ICCs weiterleiten
- Verfolgungsstatus der Beschwerde online einsehbar machen
2. Wer kann sich beschweren?
- Jede Frau, die am Arbeitsplatz sexuelle Belästigung erfährt – egal ob in staatlichen oder privaten Organisationen
- Auch Praktikantinnen, Auszubildende oder vertraglich Beschäftigte
3. Vorteile der SHe-Box
- Zentrale Anlaufstelle: Alle Beschwerden an einem Ort
- Transparenz: Status der Beschwerde einsehbar
- Niedrige Hemmschwelle: einfache und diskrete Möglichkeit, Hilfe zu suchen
- Erweiterung des Schutzes: auch private Unternehmen einbezogen
Fazit
Sie tragen Verantwortung – nicht nur für den Geschäftserfolg Ihres Unternehmens in Indien, sondern auch für die Sicherheit Ihrer Mitarbeitenden.
Das POSH-Gesetz und die Online-Plattform SHe-Box machen deutlich: Jede Führungskraft ist gefordert, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz aktiv zu verhindern und angemessen zu reagieren.
Haben Sie weitere Fragen? Sind Sie mit der Stimmung in Ihrer indischen Unternehmenstochter unzufrieden? Bleibt der gewünschte Unternehmenserfolg aus?
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