Blog
Direkt aus Indien News

Indien mittendrin: Wie der Iran-Konflikt den Geschäftsalltag verändert  

Dr. Kasturi Dadhe · 22. April 2026

„Leise Erschütterungen, greifbare Folgen“ – Indien im Schatten des Iran-Konflikts

Unsere Kollegin Kasturi Dadhe, Vice President – Business Development & Government Affairs, ist in Indien tätig. Wir haben sie gefragt, welche Auswirkungen des Irankriegs sie momentan vor Ort sieht.

Indien wirkt auf den ersten Blick weit weg vom Iran-Konflikt. Trotzdem heißt es, die Auswirkungen seien zunehmend im Business zu spüren – stimmt das?

Ja, auch wenn die anhaltenden Spannungen rund um den Iran-Krieg geografisch weit entfernt erscheinen mögen, sind ihre Auswirkungen bei uns vor Ort zunehmend zu spüren – insbesondere in den Bereichen Wirtschaft, Reiseverkehr und Geschäftsklima.

Wo zeigt sich das konkret auf wirtschaftlicher Ebene?

Die starke Abhängigkeit Indiens von Energieimporten macht aus makroökonomischen Gesichtspunkten das Land natürlich besonders anfällig bei Schwankungen des Ölpreises. Die jüngste Eskalation hat dazu beigetragen, dass z.B. die Kraftstoffkosten erheblich gestiegen sind, was den allgemeinen Inflationsdruck verstärkt. Transport, Logistik und produzierende Industrie verzeichnen alle steigende Kosten. Man spürt, dass dies sowohl Unternehmen als auch politische Entscheidungsträger zur Vorsicht mahnt.

Indiens Wachstumskurs bleibt strukturell stabil. Ich befürchte aber, dass diese externen Einflüsse kurzfristige Risiken sind, die die Dynamik bremsen könnten, wenn sie länger anhalten.

Was fällt dir auf, wenn europäische Partner nach Indien kommen – oder eben nicht?

Das ist eigentlich eine der unmittelbarsten und sichtbarsten Auswirkungen. Die europäische Beteiligung an großen Messen hier in Indien – die traditionell von starken Länderpräsentationen geprägt war – ist merklich zurückgegangen. Mehrere Delegationen haben ihre Teilnahme reduziert oder ganz abgesagt. Die Gründe sind nachvollziehbar: deutlich gestiegene Flugpreise, längere und aufwendigere Reiserouten durch Luftraumsperrungen und verschärfte Sicherheitsbedenken. Für Veranstalter und bilaterale Wirtschaftsnetzwerke bedeutet das weniger internationale Besucher und damit leider auch weniger Gelegenheiten für den direkten Austausch.

Wie verändert das den Geschäftsalltag vor Ort?

Die gewohnten Abläufe verschieben sich allmählich. Gespräche, die sonst persönlich geführt worden wären, finden zunehmend online statt. Unternehmen gehen bei Auslandsreisen deutlich selektiver vor. Und in Branchen, die eng mit globalen Lieferketten und Exportmärkten verknüpft sind, ist eine spürbare Zurückhaltung zu beobachten.

Form Und wie ist das im Alltag der Menschen – spürt man da auch etwas?

Na ja, die Auswirkungen sind weniger dramatisch, aber dennoch wahrnehmbar. Steigende Kraftstoffpreise machen sich zunehmend im Portemonnaie bemerkbar – besonders in den städtischen Zentren, wo Mobilität und Konsumverhalten eng mit den Energiekosten zusammenhängen. Eine unmittelbare Gefahr ernster Einschnitte sehe ich nicht, aber das Bewusstsein für globale Unsicherheiten und ihre lokalen Folgen wächst auch „auf der Straße“.

Was bedeutet das zusammengefasst für Unternehmen, die zwischen Europa und Indien tätig sind?

Auch wenn Indien vom direkten Konfliktgeschehen weit entfernt ist, sorgt die enge Verflechtung der heutigen Weltwirtschaft dafür, dass geopolitische Entwicklungen nie ohne Konsequenzen bleiben. Anpassungsfähigkeit und kostenbewusstes Handeln werden immer wichtiger, um zu bestehen. Hier werden auch deutsche Unternehmen gezwungen sein, Ihre Unternehmensstrategie genau anzuschauen und ggf. zu optimieren.

Das Gespräch wurde redaktionell bearbeitet und gekürzt.

Geopolitische Unsicherheiten direkt vor Ort einschätzen

Was der Iran-Konflikt für Ihr Indiengeschäft konkret bedeutet, hängt von Ihrer Branche, Ihrer Lieferkette und Ihrem Standort ab. Wir sind vor Ort – und können Ihnen helfen, die Lage realistisch
einzuschätzen und Ihre Strategie anzupassen. Jetzt kostenloses Erstgespräch vereinbaren.